Link des Monats, August 2005:
| Tobi´s Notenarchiv |
| http://www.tobis-notenarchiv.de |
Johann Sebastian Bach war in den capella Partitursammlungen des Internets schon immer ganz gut vertreten. Auch in der ehemaligen capella Partiturbibliothek des Softwareherstellers WHC, der Keimzelle aller anderen capella Partitursammlungen, befanden sich schon viele Werke Bachs. Diese waren für Tobias Schölkopf der Ausgangspunkt für ein umfangreiches capella Bach-Projekt. Das Ergebnis ist das Bacharchiv, in dem man inzwischen nahezu alle Werke des großen Meisters findet. Ein großer Schatz unter den capella Partitursammlungen des Internets. Man kann sich nur wünschen, dass sich noch mehr Leute wie Tobias Schölkopf finden, die mit so viel Engagement sich für einen Komponisten einsetzen. Übrigens gibt es in Tobi´s Notenarchiv nicht nur Werke von Bach. Sie finden dort auch andere Werke des Barocks und der Klassik. Der Schwerpunkt liegt hier auf der geistlichen Musik insbesondere für Orgel. Alle Noten sind gut sortiert und das ganze Archiv kann auch mit einer Suchmaschine durchsucht werden. Neben den Noten gibt es übrigens auch umfangreiche Linklisten.
Tobias Schölkopf im Kurzinterview
Als Betreiber eines Online-Bach-Notenarchivs kann man davon ausgehen, dass Sie ein großer Liebhaber Bach´scher Musik sind. Wie kam es dazu?
TS: Angefangen hat es mit meiner Begeisterung für die Toccata und Fuge d-Moll von Bach, deren Schlusskadenzen mich immer wieder neu faszinieren. Dann habe ich mir erste Noten und CDs von Bach gekauft und so hat sich über Jahre weg eine immer größere Leidenschaft für den berühmten Musiker entwickelt.
Haben Sie noch andere musikalische Vorlieben?
TS: Meine Lieblingskomponisten sind neben Bach vor allem Mendelssohn, Mozart und Haydn. Aber ich habe ein breites Spektrum an Interessen zumeist in der Kirchenmusik. Sehr gerne höre ich Klavier, Orgel- und Orchestermusik.
Sind Sie selbst Musiker?
TS: Nur Hobbymusiker. Ich habe 10 Jahre Klavier gelernt und spiele Kirchenorgel in meiner Kirchengemeinde.
Man liest in Beschreibungen Ihrer Seite immer wieder so etwas wie "Hier finden Sie den (fast) ganzen Bach". Warum immer dieses eingeklammerte "fast"! Wie vollständig ist denn Ihr Archiv nun wirklich?
TS: Dieses "fast" war eine Idee von der Firma WHC, die mich verlinkt haben. Mein Archiv umfasst zur Zeit ca. 2600 Capella-Dateien. Bach hat zwar "nur" ca. 1100 Werke geschrieben, aber da einzelne Sätze eines Werks jeweils als Datei gespeichert sind, manche auch in unterschiedlichen Bearbeitungen in meinem Archiv enthalten sind, kommt es zu dieser großen Zahl von nahezu 2600 Partituren.
Bei den Kantaten, Passionen und Oratorien gibt es noch einige Lücken. Die Lieder und Arien sind vollständig. Die Orgel-, Klavier-, Lauten-, Kammermusik- und Instrumentalwerke sind schon fast vollständig. Große Lücken gibt es noch bei den Anhängen zu BWV, was einerseits daran liegt, dass diese Werke kaum noch gedruckt werden, da sie zweifelhaft oder nachgewiesen nicht von Bach sind, andere Werke wurden erst neu entdeckt und unterliegen noch dem Urheberrechtsschutz und können daher nicht veröffentlicht werden. Je nach vorhandener Freizeit stelle ich alle 2-3 Wochen neue Werke ein, die auf der Update-Seite aufgelistet werden.
Viele Partituren haben Sie sicher aus der ehemaligen capella Partiturbibliothek übernommen aber einiges müssen Sie doch auch auf anderen Wege erstellt oder gefunden haben! Woher kommen die Partituren, die Sie nicht aus der capella Partiturbibliothek übernommen haben? Haben Sie die selber eingegeben oder gescant?
TS: Als ich die Partituren aus der Capella-Bibliothek übernommen habe waren es ca. 1.800 Partituren. In der Zwischenzeit sind also ca. 800 Partituren dazugekommen. Nicht alle stammen von mir selber, ich habe ein paar fleißige Helfer, die mir immer wieder mal Werke zukommen lassen. Ich freue mich auch sehr über Einsendungen, allerdings nur, soweit sie nicht dem Urheberrechtsschutz unterliegen. Im Zweifel frage ich immer nach, da es mir ein großes Anliegen ist, gesetzeskonform zu arbeiten um nicht eines Tages vom Netz gehen zu müssen. Ich habe anfangs die Partituren abgetippt, später habe ich mir dann Capella-Scan gekauft und arbeite viel damit. Die Noten beschaffe ich mir meistens aus der alten Bach-Gesamtausgabe, die es in der Landesbibliothek gibt und ich bin begeisterter Mitbieter bei Auktionshäusern und Flohmärkten und habe mich auch hier auf Notenbände beschränkt, die älter als 25 Jahre sind und damit keinen Urheberschutz als Edition mehr genießen. Erst dieser Tage ist es mir gelungen, 3 Klavierwerke aufzutreiben, die es kaum auf dem Markt gibt und die auch in der alten Bach-Gesamtausgabe fehlen. Sie werden in einem der nächsten Updates mit dabei sein.
Seit wann gibt es eigentlich Ihr Notenarchiv? und wie sind Sie auf die Idee gekommen solch ein Notenarchiv zu erstellen?
TS: Das Notenarchiv gibt es seit Juni 2003, das Bacharchiv kam dann im September 2003 hinzu.
Die Idee für das Notenarchiv entstand daraus, dass ich etliche alte vergilbte Notenbände auf Flohmärkten erworben hatte und diese Noten konservieren und dann aber auch anderen Musikbegeisterten zugänglich machen wollte.
Das Bach-Archiv entstand aus dem Gedanken, die Bach-Partituren in der Capella-Bibliothek neu zu ordnen und dann bekam ich immer wieder Zuspruch von Besuchern meiner Seite und das motiviert mich bis heute immer wieder zum Weitermachen. Langfristiges Ziel ist es, möglichst alle nicht geschützten Werke Bachs zu veröffentlichen, um so einer breiten Öffentlichkeit die Möglichkeit zu geben, Bach kennenzulernen und seine Werke zu verwenden. Seit es den Capella-Reader gibt, hat ja jeder die Möglichkeit, kostenlos die Noten anszusehen.
Tobias Schölkopf wurde 1973 in Bietigheim (Baden-Württemberg) geboren. Er machte die Ausbildung zum Diplom-Verwaltungswirt (FH) und arbeitet bei einer Stadtverwaltung.